Warum man als Bäcker bäckt, als Schaffner schafft, aber als Autorin nicht immer schreibt

Die Akkus des Rechners sind geladen, der Bleistift gespitzt, die Nägel lackiert und der Kühlschrank gefüllt. Die Ideen prasseln auf mich ein – wie auch nicht, die beiden Vs liefern ja ständig neue. Aber irgendwie komme ich immer noch nicht dazu. Wäschekörbe (Plural!), Wollmäuse (Pluralis Majestatis!) und diese vielen Igitt-Stapel aus Papier starren mich vorwurfsvoll an und wollen auch weggeräumt werden. Doch auch hier: keine Zeit. Warum nur? Schon mal jemand ein Ebook veröffentlicht? Da denkt man: Toll, steht im Netz, jetzt kann es gekauft werden und ich lehne mich zurück und schreibe einen neuen Band. Fehlanzeige!

„Sa‘ ma!“, hatte Sabrina zu mir gesagt, „is‘ doch nicht dein Ernst, oder?!“

„Doch, wieso?!“

Schepperndes Lachen, Sabrina hielt gerade den Blecheimer vor den Mund, weil ihr Kind ihr darin ein Sandeis serviert hatte. Wir hockten am Spielplatz und ich beschwerte mich ein wenig. Wirklich nur ein wenig. Aber scheinbar fand Sabrina das fürchterlich komisch. Sie zog den Kopf aus dem Eimer und sah mich mit Sand um die Nase grinsend an.

„Statt am Spielplatz würdest du jetzt wohl lieber im Straßencafé sitzen mit nem schicken Strohhut und nem leckeren Latte, mit deinen lackierten Zehen in den neuen Sandalen wackeln und gekonnt neue Texte in die Tasten hauen?“

Was war denn daran so falsch? Wer, bitteschön, wollte das nicht? Und dann klärte sie mich auf. Dass man als Selfpublisher, so bezeichnete sie mich nämlich jetzt, das ganze Marketinggedöns selber machen musste. Dass meine Website lausig sei und ich unbedingt mal an diesen Social-Media-Buttons was tun müsste. Gut. Dann packe ich eben jetzt die beiden Vs wieder ein, Sonne ist eh scheiße für die Haut und versumpfe im dunklen Zimmer vor dem Rechner. Hmpf! Aber vorher hole ich noch ein Eis!

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